Als ich dahinter kam, konnte ich wieder beruhigt schlafen…

Clickbait zu Beginn: Als ich dahinter kam, konnte ich wieder beruhigt schlafen…

Warum reißen denn in diesem langweiligen Liegewaren-Markt plötzlich einige Matratzen aus und wollen nicht mehr „Liegemild 16-Zonen“ oder „Fantasto800 TFK“ heißen, sondern menschliche Vornamen haben? Auf den ersten Blick ist das ganz schön paradox: Ausgerechnet die Standard-Matratzen („One-fits-all“) haben so persönliche Namen, wohingegen die variantenreichen, individuell passenden Matratzen unterschiedlicher Hersteller noch immer mit diesen technisch-kauderwelschigen typischen Matratzennamen herum liegen. Min Favorit in dieser Hinsicht: NovoViscoProSleepPlus – so hieß dieses Modell tatsächlich.
Aber zurück zur Frage: Was ist da los?
Es ist ein aktuelles Phänomen: Matratzen haben jetzt die gleichen Namen wie die Kinder im Kindergarten: Omas und Opas Namen bürgen für Heimeligkeit, Grundehrlichkeit und ein „zu Hause sind wir unter uns“-Gefühl.
Warum trifft das offenbar einen bestimmten Zeitgeist? Einerseits machen uns die Ereignisse in der Welt, die die Nachrichten jeden Tag in unsere Wohnzimmer und Mobilgeräte spülen, Angst. Der Biedermeier-Effekt: Wir wünschen uns um so mehr einen Ort der Geborgenheit, an dem alles gut ist und schaffen ihn uns zu Hause.
Andererseits wollen wir auch gar nicht mehr aus dem Haus und bestellen lieber bequem von daheim, wer weiß, was uns sinst noch draußen alles zustößt und mit welchen Unannehmlichkeiten zu rechnen ist.
Deshalb setzen wir uns an den Rechner, suchen nach einer guten Matratze und finden tatsächlich eine, die für alle zu passen scheint, so eine Art Pareto-Matratze. Kostet bissi was, ist aber allen Rezensionen nach gut und wenn doch nicht, kann ich sie ja zurück schicken. Warum also nicht?
Die Kalkulation der Anbieter sieht anders aus:
– Ein Produkt mit wenig Varianten vereinfacht die Lagerhaltung und senkt die Fehlerwahrscheinlichkeit
– Standardisierte Prozesse kosten weniger Geld
– Nicht unbedingt die wirkliche Kundenzufriedenheit, sondern vor allem die niedrige Rücksendequote ist der Maßstab
– „Bekomme das Vertrauen, dann bekommst Du das Geld“

Sympathische Matratzennamen und prompte Chat-Angebote und die ganze „heimelig, aber cool“-Nummer sind also nur das Mittel zum Zweck, den Kunden in einem ganz und gar mechanisierten und technisierten Prozess das nötige Vertrauen zu impfen, um ihn dazu zu bewegen, eine Standard-Matratze zu kaufen, auf der er vielleicht gut, vielleicht auch nicht gut liegt – egal, so lange er entweder zu wenig unzufrieden oder zu faul ist, um sie zurück zu senden. Was er dann hat, ist die Mittelmaß-Matratze. Das geht, weil Matratzen einfach weniger prestigebesetzt sind, als zum Beispiel Autos. Oder würden Sie, wie in Trabant-Zeiten, im gleichen Auto sitzen wollen, wie alle anderen? Bei Matratzen ist das akzeptabel, sogar ein bisschen cool. Eigentlich bemerkenswert.

Aus meiner Sicht als lokaler Anbieter: Es gibt auch bei uns die 80%-Matratze, schon ab 299 EUR bekommt man ein wirklich gutes Stück, mit dem die meisten Menschen gut beraten sind. Wer mehr oder weniger als diese 80% möchte, ist bei uns auch gut beraten. Bei uns berät kein Chat-Roboter sondern Menschen, sehr freundliche sogar, sie heißen Jana, Fabian, Wolfgang und Marc. Und unsere Kundenbewertungen können Sie in der ganzen Stadt erfragen, ich zumindest treffe unsere Kunden immer mal wieder irgendwo und kann immer freundlich fragen: „Schlafen Sie gut?“ und mich auf eine positive Antwort freuen.
Ach so: wie heißt denn nun unsere 80% Matratze? Ergo19, erhältlich in Festigkeit H2 und H3. Vielleicht heißt sie demnächst aber auch Anton (fester) und Anna (weicher) – ich denke mal darüber nach

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