Warum kosten Matratzen anscheinend immer nur die Hälfte?

Warum kosten Matratzen eigentlich immer nur die Hälfte?

Ist es Ihnen schon mal aufgefallen: Es gibt Waren, die haben einen festen Preis. Und es gibt Matratzen. Die kosten scheinbar gerade immer die Hälfte. Manchmal gibt es auch zwei zum Preis von einer, seltener 3 für 2. Nie anders herum. Fast immer muss irgendetwas RAUSVERKAUFt werden, es gibt gerade Schlaf-, Billig-, oder Bettenwochen oder ein zünftiger Wasserschaden zwingt zum Abverkauf des bisherigen Bestandes – natürlich zum halben Preis. Was ist das für eine komische Ware? Und ist es nicht so, dass etwas, das nie den vollen Preis kostet, eigentlich schon einen festen Preis hat, nämlich den halben?

Ein Blick in die Vergangenheit

Gehen wir ein paar Jahre zurück. Matratzen werden noch nicht im Lebensmittelhandel oder im Kaffeeladen, ebenso wenig „an jeder Ecke“ unter gleißendem Neonlicht verkauft. Es ist eine Zeit, in der Matratzen im Bettenfachhandel und in gut sortierten Kaufhäusern angeboten werden. In vielen heimischen Betten liegen dreiteilige Matratzen. Polsterer fertigen Qualitätsprodukte in handwerklicher Tradition, die industrielle Fertigung ahmt diese Qualität so gut wie möglich und etwas günstiger nach. Ein Händler gibt vielleicht mal ein Kopfkissen extra dazu, macht einen „Hauspreis“ oder skontiert eine sofortige Barzahlung.

Dann muss es irgendwann passiert sein: Unter dem Druck, dass Matratzen in der Regel viel zu lange verwendet werden, kommt irgend ein findiger Händler auf die Idee, wie man einen Impulskauf auslösen könnte bei Waren, die der Kunde gefühlt nur alle 20 Jahre neu kauft: Er schreibt, die Ware sei HEUTE besonders günstig, und impliziert damit, dass jeder, der JETZT nicht zugreift, eigentlich nicht ganz bei Trost sein kann.

Überraschung: Auf Matratzen schläft jeder

Tatsächlich passiert es nach aktuellen Schätzungen etwa alle 16 Jahre, dass ein Deutscher seine alte Matratze gegen eine neue austauscht. Die Lage ist also geringfügig weniger dramatisch, als angenommen. Trotzdem wird natürlich geschlafen, und das allnächtlich. Bedarf besteht, oder kennen Sie jemanden, der nicht auf einer Matratze schläft? Wenn nun also die Zeit für den Ersatz gekommen ist, merken das die Leute meist, weil sie seit einiger Zeit, in der Regel seit einigen Jahren, nicht mehr so gut und bequem liegen. Federn drücken, Kuhlen zwingen einen in die Bettmitte zurück, klaffende Ritzen trennen, was sich eigentlich vereinigen sollte und ein merklicher Eigengeruch durchweht das Schlafzimmer. Schließlich sammeln sich in nicht waschbaren Matratzen über 10 Jahre Nutzungszeit auch etwa 2-3 Tassen voll mit Hautschüppchen, Salzkrümelchen, Milben, toten Milben und deren Ausscheidungen. Sieht man aber nicht, ist ja Bettzeug drüber.

Wohin, wohin?

„Wohin, wohin?“ fragt sich nun also der notgeplagte Schlechtschläfer. „Worauf achten und was tun?“ Man ist ja schließlich auch selbst erfahren in Sachen Schlaf. Wie gut zum Beispiel hat man doch nach der letzten 7-stündigen Wanderung auf einer dünnen, harten Matte geschlafen – vielleicht sollte man so eine auch daheim haben? Oder vor dem zu Bett gehen immer 7 Stunden wandern? Oder doch so ein halbmeter hohes Trumm wie im Hotel bei der letzten Amerika-Reise?

Was macht gute Matratzen aus?

Oft fällt dann eben der Entschluss, sich einen Überblick zu verschaffen. Was sehen wir denn da:

– weich, – weiß, – viereckig und Preise von 39 – 2499 EUR pro Stück bzw. Bettseite. Aber wo sind die Unterschiede? Hubraum, PS, das sind noch Leistungsdaten, daraus lässt sich etwas ableiten. Aber sind 7 Zonen besser als 5? Muss ja. Und das Material? Federkern? Ach, so Federn im Bett… Kaltschaum? Hm, sagt mir nicht viel… Latex? Jaaa, hatten wir auch mal, ging so… Visco? Das Material aus der RAUMFAHRT! Das muss doll sein. Oder doch nicht? Das ist so zäh…

Vielleicht helfen Testergebnisse:

Matratzen für 149 EUR Testsieger hier, dort hingegen gar nicht erwähnt, beim Probieren platt und hart, aber mei: Immerhin Testsieger. Warum bloß? Hält lange, kost‘ nicht viel. Das würde ein Brett auch tun. Und es wäre platt und hart. Diese ist aber aus Kaltschaum. Was wurde hier getestet? Oha, der Testsieger kostet 599 EUR. Nächster Test: Testsieger 389 EUR, nächster Test: 799 CHF für den Testsieger.

Kann hier mal bitte jemand helfen?

Ja, der Fachhandel kann. Und zum Erstaunen des bereits vom Suchen ermüdeten Schlafsuchenden: Für wenig Geld gibt es auch immer wenig Qualität. Mit und ohne halben Preis. Und die Beratung ist ebenfalls Glückssache. Teilweise versprechen ausgefeilte technische Geräte physikalische Objektivität – sofern man nicht nachher doch wieder ganz subjektiv-individuell verknuddelt in der Falle liegt. Teilweise schaut ein erfahrener Schlafberater dem Kunden tief in die Figur, erfragt die horizontalen Vorlieben („Rücken-Seite oder Bauch?“) und empfiehlt dann mit sicherem Gespür ein oder zwei Modelle zur Wahl. Aber kann man sich die dann auch leisten?

Im Ergebnis gibt es nur einen sinnvollen Weg:

  • Gute Beratung durch geschultes, erfahrenes Personal
  • Preisvergleich auf der Grundlage von handfesten Qualitätskriterien
  • Probeliegen
  • Bei Unsicherheit noch mal Probeliegen
  • Kaufen dort, wo man gute Beratung, gute Auswahl und günstige Preise findet (und nicht die scheinbar größten Rabatte). Zum Beispiel im Matratzen Lagerverkauf, Sonnenbühlstr. 98 in Konstanz bei Jana, Franz und Marc.

Der Artikel erschien erstmalig auf dem Nachrichten – Blog see-online.info.

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